Geschichte

Der Ort Horndal liegt am R 68, 20 km nördlich von Avesta im süd-östlichen Dalarna. Er ist ein Industrieort mit alter Geschichte. Hier finden Sie in einem schönen Park die Überreste einer 350 Jahre alten Industrieepoche.

Isaac Kock-Cronström
Es begann im Jahr 1652, als der Nachfahre von eingewanderten Wallonen, Isaac Kock, am Horndalsbach ein Hüttenwerk anlegte und Schmiede mit speziellem Geschick aus Wallonien holte.

Isaac Kock war, wie auch sein Vater Markus Kock, ein mächtiger und äuβerst erfolgreicher Mann, der zu Zeiten des beginnenden Industrialismus wirkte. Isaac Kock wurde später geadelt und erhielt den Namen Cronström. Er war Nachfolger seines Vaters als Münzmeister in Avesta. Gute 200 Jahre verblieb die Hütte in Horndal im Besitz der Familie Cronström.

Expansion und Entwicklung 
Unter neuen Besitzern begann im Jahr 1861 eine langjährige Periode schneller Expansion. Innerhalb einiger Jahre stieg die Produktion von Eisen und Schmiede von 200 Jahrestonnen auf 2000 an!

Als die Eisenbahn gebaut werden sollte, kämpften die neuen Besitzer dafür, dass sie durch den Ort Horndal verlegt wurde. Am 12. August 1875 wurde der Bahnhof unter Festlichkeiten und in Anwesenheit seiner Majestät des Königs Oscar II. eingeweiht – jedoch war an dem

Tag auf halbmast geflaggt! Am Tage zuvor war nämlich der Besitzer des Hüttenwerks, Bergendahl, der sich so sehr dafür eingesetzt hatte, dass die Eisenbahn durch Horndal ging, plötzlich an Herzschlag verstorben.

Über Nacht ein neues Zeitalter
Jahrhunderte lang hatte man mit Pferden das Erz aus den Gruben, die Holzkohle aus den Wäldern und das Roheisen aus der Hütte gefahren. Von Horndal ging Fuhre auf Fuhre mit ausgehämmertem und gewalztem Stabeisen zum Verkauf nach Västerås und Gävle. Mit der Eisenbahn wurde eine neue Epoche eingeleitet. Dampfloks kamen aus den groβen Exporthäfen in Stockholm, Gävle und Göteborg. 1885 stand eine neue moderne Eisenhütte in Horndal. Sie war eine imposante Anlage, fast 18 Meter hoch. Innerhalb weniger Jahre stieg die Jahresproduktion auf 6000 Tonnen Eisen. Die neue Hütte versah 15 Lancashire-Essen mit Roheisen. Die Schmiede dieser Art war die gröβte in der Welt unter einem Dach. In den neunziger Jahren des 19. Jh. wurde in Horndal ein neues Hüttenwerk gebaut, elektrifiziert und für die damalige Zeit modern. Die Horndals Bruk AG war jetzt eine Groβindustrie mit Anteilen in Västmanland, Dalarna und Gästrikland.

Helvetet (”Die Hölle”) und Paradiset (”Das Paradies)
Die neue Zeit führte viele Veränderungen mit sich. Die alleinherrschenden Eigentümer wurden ersetzt durch Teilhaber einer Gesellschaft, die nicht am Ort wohnten. Der Abstand zwischen Arbeitern und Besitzern wurde gröβer, gleichzeitig aber das Verständnis füreinander geringer. Die Herren hatten im Herrenhaus gewohnt, und die vielen Arbeiter, rund 350 Personen mit Familien, wohnten eng beieinander in den einfachen Mehr-Familien-Häusern der Hütte. Die Häuser hatten Namen wie ”Paradiset” ( = ”Das Paradies”, ”Helvetet” ( = Die Hölle”) und ”Skvallerbo” ( ung. ”Klatsch-und-Tratsch-Haus). Gewöhnlich wohnten die kinderreichen Familien in einem einzigen Zimmer mit Kamin.

Generalstreik und Lock-out
Diese neue Zeit führte auch dazu, dass die Arbeiter sich gewerkschaftlich organisierten. In Horndal wurde 1906 Schwedens erster Tarifvertrag für Eisenhüttenbetriebe unterzeichnet. Unruhen brachen im Zusammenhang mit dem Generalstreik 1909 und dem Lock-out drei Jahre später aus. Zeitweise war die Spannung zwischen, auf der einen Seite, dem Volk und, auf der anderen Seite, der Leitung der Eisenhütte und dem Militär sehr stark. Ein Teil der Arbeiter erachteten es für gut, in die USA auszuwandern.

Das Ende
Ab 1927 gehörte Horndals Eisenhütte zum Fagersta-Konzern und ging dazu über, sich immer mehr auf Armierungseisen zu spezialisieren. Mit geringen Investitionen produzierte man während des 2. Weltkrieges groβe Mengen Eisen – der sog. „Horndal-Effekt“. 1953 wurde ein neues Feinwalzwerk in Betrieb genommen, in dem man Handelsstahl produzierte. Von 1972 bis 1978 pachtete die Boxholm AG das Werk.

1979 jedoch war das Märchen zu Ende! Am 30. Juni wurde der Betrieb aufgrund der weltweiten Stahlkrise stillgelegt. 161 Menschen wurden arbeitslos. Eine 330-jährige Hüttenepoche wurde zu Grabe getragen. In Horndal gab es Familien, in denen man vier oder sogar fünf Generationen lang in der Hütte gearbeitet hatte.

Besuchen Sie Horndals Bruk und das „Pompei der Industrie“
Das eh. Hüttengelände ist heute ein sehenswertes Ausflugsziel in einem schönen Parkmilieu. Das Gelände wird als das „Pompei der Industrie” bezeichnet. Die eh. Betriebsbauten stehen heute als riesige Schlackensteinruinen da. Einige Gebäude blieben jedoch erhalten. Hier kann man Mittsommer feiern, wie zur guten alten Zeit der „Herren“. Café, Werksmuseum, Minigolf und Boule-Bahn finden Sie im Park. Unterhaltsame, gemütliche Sommerabende und besondere Hütten-Tage unterschiedlichster Art werden vom Verein Horndals Brukspark durchgeführt; die By Trachtengruppe arrangiert die Feier des schwedischen Nationalfeiertags am 6. Juni.

Quellenverzeichnis:
”Horndals Bruk- Lebende Industriegeschichte im süd-östlichen Dalarna”, Faltblatt, Kultur Avesta & Bergslagen (Beschlussgruppe für Ziel 2 Bergslagen) „Bergslagen“, RUBICON, 1988 Interview mit Folke Nilsson, April 2000, Hanne Ivarsson

Das Werksmuseum ist täglich geöffnet, kommen Sie gern vorbei und erleben Sie die Geschichte der Hütte in Wort und Bild.